Gedanken aus dem Leipziger Umland

Was Hänschen nicht lernt…

schiefertafelWas Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.”, sagt ein altes Sprichwort, das man unter heutigen Bedingungen nicht völlig unwidersprochen stehen lassen kann.

Unsere moderne Arbeitswelt verlangt lebenslanges Lernen und im täglichen Leben findet man genug Beispiele dafür, daß Hans durchaus fähig ist, Dinge zu lernen, an die zu Hänschens Zeiten noch niemand gedacht hat. Andererseits ist jedem, der bereits ein wenig in die Jahre gekommen ist, aufgefallen, daß das täglich bewältigte Lernpensum nicht mehr den Umfang der jüngeren Jahre erreicht, und daß in jungen Jahren erworbenes und angewendetes Wissen einen nicht mehr verläßt.

Fast noch wichtiger als erworbenes Faktenwissen ist jedoch die Fähigkeit, sein Wissen selbständig erweitern zu können, indem man Dinge analysiert und eigenständig und gezielt die erforderlichen Informationen recherchiert. Dabei darf Unwichtiges ruhig vergessen werden.

All das sind unstrittige Tatsachen. Die Schlußfolgerungen für die Bildungspolitik sollten somit klar auf der Hand liegen. Das tun sie aber nicht, denn es gibt die Lobby der Industrie, die der Politik gebetsmühlenartig weismachen will, daß die Schulen und Hochschulen dieses Landes Fachleute für das bei ihnen gerade aktuellste Thema punktgenau auszuspucken hätten. Und wie man schon länger gern witzelt: Natürlich mit Berufserfahrung. Die schlimmsten beuten junge Menschen als Praktikanten aus, so daß bereits der Begriff “Generation Praktikum” geprägt wurde.

Andererseits gibt es vor allem kleine und mittelständige Betriebe, die sich selbst eine für ihre speziellen Bedürfnisse angepaßte Belegschaft heranziehen wollen. Diese und auch Handwerksbetriebe klagen oft darüber, daß Schulabgängern vielfach bereits das notwendige Grundwissen fehle.

Fest steht: Aus Steuergeldern finanzierte, staatliche Bildung hat im Interesse der Allgemeinheit zuerst den auszubildenden jungen Menschen zu dienen, und zwar lebenslang, und nicht kurzfristigen Profitinteressen. Und Unternehmer, die ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden und selbst aus- und weiterbilden, verdienen in den Grundlagenfächern gut ausgebildetes Personal mit der Fähigkeit, sich zügig in neue Themen einarbeiten zu können.

Die Piratenpartei fordert in ihrem Parteiprogramm: “Insbesondere Bildungseinrichtungen und die gesamte öffentliche Verwaltung sollen schrittweise darauf hinarbeiten ihre gesamte technische Infrastruktur auf Freie Software umzustellen, um so langfristig Kosten für die öffentlichen Haushalte und die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern zu reduzieren.” Mit einem einfachen Computer für weniger als 200€ und freier Software hat man bereits alles in Hand, um z.B. die kompletten Grundlagen der Informatik zur vermitteln, weit mehr als für die schulische Ausbildung notwendig wäre, so daß auch Kinder aus weniger betuchten Familien gute Chancen hätten.

Mindestens genauso wichtig wie der Kostenaspekt ist jedoch, daß die Nutzung freier Software in keiner Weise beschränkt ist. Vor allem darf freie Software untersucht und verändert werden, was bei sogenannter proprietärer Software einen Verstoß gegen die Lizenzbedingungen bedeuten würde. Wie aber soll ein Lehrer die Funktionsweise von etwas erklären, in dessen Inneres man nicht hineinschauen darf ! Das ist damit vergleichbar, daß das Modell eines Ottomotors nur im geschlossenen Zustand gezeigt werden darf. Welcher Unsinn !

Es geht nicht darum, daß Kinder und Jugendliche lernen, mit der Software eines bestimmten Herstellers umzugehen, die die Industrie gerade haben will, und die nach wenigen Jahren bereits wieder veraltet ist. Es geht vielmehr darum, daß Kinder und Jugendliche verstehen lernen, wie Computer und Software grundsätzlich funktionieren, denn nur mit diesem Wissen ausgestattet, werden sie auch noch mit der übernächsten Gerätegeneration umgehen können.

S.M.

Was denkst du?