Gedanken aus dem Leipziger Umland

Forscher, Eroberer, Piraten

schiffForscher, Eroberer, Piraten

Seit den erfolgreichen Expeditionen zu Nord- und Südpol scheinen die Zeiten vorbei zu sein, da Menschen ausgezogen sind, neues Land für sich zu entdecken.
Die ersten unserer Spezies besetzten Stück um Stück den Erdball. Ihre wachsenden intellektuellen Fähigkeiten versetzten sie mit Innovationen in die Lage, mehr Nahrung zu erzeugen, so daß mehr Menschen dieselbe Fläche bewohnen konnten als vorher. Weiter fortschreitende Innovationen ermöglichten z.B. den Bau von Schiffen, wie das, mit dem Columbus einen Seeweg nach Indien suchte und Amerika fand. Doch bereits damals waren die Zeiten längst vorbei, in denen man neues Land grundsätzlich nur urbar machen mußte. Es waren schon andere Menschen da, die man von ihrem Land verdrängen mußte, um es selbst nutzen zu können. Land war immer noch die wichtigste Basis für Wohlstand und mittlerweile auch für Reichtum. Kraft überlegener Technologien konnten die Eroberer Amerikas dessen Ureinwohner praktisch ausrotten.

Landbesitz hat heute längst nicht mehr die Bedeutung, die er in früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden hatte, und die Schiffe der Eroberer sind zerfallen. Die furchtbaren Kriege, die um mehr und neues Land geführt wurden, sind - bis auf Ausnahmen - Geschichte. Es scheint, daß es mit der fast vollständigen Aufteilung der Erde nichts mehr zu erobern gibt.

Doch anders als die Erdoberfläche war die Innovationskraft der Menschheit bis jetzt unerschöpflich. Sie hat neue Bereiche geschaffen, die es nun zu erobern gilt. Der aktuell wichtigste dieser neuen Bereiche ist das Internet. Und das, was heute in weit größerem Umfang Wohlstand und Reichtum schafft als Land, ist Wissen. Das Internet ist das Medium, welches Wissen in nie dagewesener Geschwindigkeit verteilen, aber auch einsammeln kann. Das ruft Eroberer auf den Plan, die dieses ursprünglich für alle gedachte Medium zusammen mit dem Wissen der Menschheit unter ihre Kontrolle bringen wollen. Die Motive sind dieselben wie bei den Herrschern vergangener Zeiten, die Kriege führten, um ihre Macht zu mehren, indem sie sich andere Menschen untertan machten.

Noch stehen diese Eroberungszüge ganz am Anfang. Sie werden statt mit Blut mit Heimtücke geführt, statt großer Schlachten gibt es immer wieder winzige Raubzüge, von der Mehrheit der Menschen völlig unbemerkt.

Es ist also kein Wunder, daß Leute, die viel mit dem Internet zu tun haben, zuerst diese Gefahr erkannt oder wenigstens erahnt haben. Weil sie Informationen frei verteilt wissen wollen, von Gegnern dieser Freiheit plump als „Piraten“ beschimpft, haben sie sich bewußt selbst „Piraten“ genannt, um zu zeigen: Wir sind die, die für die Freiheit des Wissens eintreten!

Die Geschichte der Menschheit wird täglich von jedem einzelnen, Buchstabe für Buchstabe weitergeschrieben. Am Ende ist sie die Summe des Tuns aller Menschen. Sie vorherzusagen ist unmöglich.

Fest steht jedoch: Das Internet kann neue Freiräume bieten, es kann aber auch zum gigantischen Überwachungs- und damit Unterdrückungsapparat mutieren. Es gibt starke Kräfte, die in diese Richtung drücken, und das nicht nur im Internet. Sie werden Dir soviel Freiheit nehmen, wie Du ihnen aus Bequemlichkeit geben wirst. Sie werden scheitern, wenn Du Deine Freiheit verteidigst!

S.M.

(Der Beitrag wurde vor dem Bekanntwerden von PRISM verfaßt.)

 

Was denkst du?